… Bürgermeister werden!
Und zwar in Bad Waldsee. Dort scheint man einen zu suchen. Oder auch nicht, oder nicht so ganz, auf jeden Fall ist mal nicht ganz Bad Waldsee auf der Suche. So richtig schlau wird man aus dem Geschreibsel nicht, zumindest ich nicht.
Ein wenig mehr Licht ins Dunkel bringt dann der Text von vor gut einer Woche. Man sucht zwar immer noch, aber die nebulösen Andeutungen lassen nun nicht mehr auf außerirdische Aktivitäten schließen. Oder ein plötzliches Erscheinen der Illuminaten. Auch kein Auftauchen einer Sekte, die halb Waldsee mit Erdstrahlen verseucht hat.
Mein erster Gedanke war: Juchtenkäfer. Da weiß zwar kein Mensch so wirklich was das ist, aber immerhin hat dieses Etwas für einen Baustop bei Stuttgart 21 gesorgt. Gut, Karl der Käfer hat jetzt nichts mit dem Bürgermeister zu tun, aber man kommt nicht umhin, an ihn zu denken. Wenn man die Worte BUND, GAL und Störche in einen Mixer wirft, dann kommt auch etwas dabei raus.
Dieses Etwas ist dann aber ein Mensch, der einige persönliche Befindlichkeiten gegenüber dem Amtsinhaber und wohl einzigem Kandidaten bei der Wahl hat. Vielleicht ist dieser auch nicht so gut auf den Storch zu sprechen, aber bei den Spielchen mitmachen? Vielleicht ist doch ein Funken Wahrheit dran, dass Durchsetzungsvermögen und Souveränität nicht besondere Stärken des besagten Amtsinhabers sind. Im Gegenzug kann man sich natürlich auch die Frage stellen, warum eine kleine Bewegung – mit Verlaub, ich schätze einfach mal, es wird kaum mehr als eine Handvoll Leute sein – doch recht hochgespielt wird. Immerhin wird fleißig darüber berichtet, dass man und wie man in Waldsee einen Kandidaten sucht.
Demokratie in allen Ehren, die letzten Wahlen und Abstimmungen zeichneten doch ein recht klares Bild, dass die absolute Mehrheit bald bei den Nichtwählern liegt. Meint: Den Menschen ist es bald doch völlig egal, wer da an der “Macht” ist. Ändern wird sich sowieso nichts, also kann man Demokratie doch gleich bleiben lassen.
Also bleiben noch ein paar, die sich wenigstens noch die Mühe machen und zur Wahl gehen. Doch ob das nun die großen Veränderer sind? Gerade in Oberschwaben wage ich das zu bezweifeln. Man setzt doch lieber auf Bewährtes und will keine Experimente eingehen. Welche Chance hätte also ein wie auch immer gefärbter Kandidat?
Ich hab mir aus Spass den Gedanken gemacht und mir vorgestellt, ich wäre nun plötzlich groß und würde kandidieren. Dabei könnte ich mir gut vorstellen, Waldsee hätte einen mords Spass mit mir. Und ich mit Waldsee. Auch mit den ganzen Fraktionen, egal wie bunt sie sind. Ich bin überparteilich, unabhängig, manchmal stur wie ein Esel und wenn ich was will, dann erreiche ich das auch. Dabei gehe ich nicht über Leichen, aber ich gehe meinen Weg.
Also habe ich ein wenig recherchiert und bin auf ein unlösbares Problem gestoßen. Um es in einer Frage zu formulieren: Was will ein junger, gesunder Mensch in Bad Waldsee?
Nur eins: Das trügerische Idyll nicht stören, also nicht dort sein. Drum soll auch alles so bleiben, wie es ist. Und so findet sich auch kein neuer Bürgermeister. Beziehungsweise: Das Problem wird erst akut, wenn der alte nicht mehr kann oder darf oder will.
Konkret: Was will denn einer dort bewegen, was will er da erreichen? Es gibt die Therme mit ihren Kur- und Rehakliniken, ein wenig Tourismus, wobei man sich damit brüstet, der Bodensee ist nur 40 km weit weg, die fast schon für solche Städte in der Region typische Industrie und eine mehr als katastrophale Verkehrsanbindung. Ein bisschen Kultur, ein paar Vereine und einen Golfclub. Der Club ist erwähnenswert, da der Jugendwart mit geschätzten Anfang 50 der Berufsjugendliche der Truppe ist.
Man hat also die komplette alteingesessene oberschwäbische Bräsigkeit auf einem Haufen. Dazu kommt noch ein 1. Beigeordneter, der sich gibt, als wäre er das Schwungrad der Erde und die Lösung für alle Probleme nach dem Atomausstieg in der Hinterhand hat. Neben dieser Phalanx keimt so langsam der Öko-Fanatismus auf. Da wird dann schon über Windräder gestritten, obwohl noch kein einziger Propeller in der Landschaft steht. Dann regt man sich noch über die wenig ökologische Bauweise des Denkmals des Bürgermeisters auf. Ha ja, gemeint ist natürlich das Feuerwehrhaus. Leute, hört mal, das ist voll normal. Während die jungen Wilden ihre Golfs pimpen um Eindruck zu schinden, spielt die Generation 60+ Golf und ein Bürgermeister baut ein Feuerwehrhaus. Basta.
Die cleveren Amtsinhaber finden irgendeinen Trottel, der das finanziert. Die weniger Cleveren stellen den Haushalt auf den Kopf. Beide haben aber eines gemein: Bei Thema Feuerwehr versteht man keinen Spass. Bevor auch nur ein Euro in so Quatsch wie Solar investiert wird, lieber noch eine größere Drehleiter oder einen 5er BMW für den Kommandanten.
Und nun soll ein Fremder – aus den eigenen Reihen mag man ja nicht, laut “Gentlemen’s Agreement” – da einfach reingrätschen und hoffen, dass es wenigstens acht Jahre gut geht? Ha, im Leben nicht! Abgesehen von den ganzen Vorbehalten, die ein Schwabe gegen die “Reigschmeckte” hat, wäre es auch ein Kampf in den Fraktionen. Feuerwehrhaus gegen Storch. Stadtwerke – Waldsee wäre nicht die erste Stadt, die mit so etwas in Richtung Pleite marschiert – gegen Wind-Spargel. Ein beleidigter Nicht-mehr-Bürgermeister, der eine neue Aufgabe sucht und Teilzeitbeschäftigung damit findet, dem Neuen das Leben schwer zu machen.
Das sind doch mal Perspektiven. Drum werden sich Scharen um das Amt dort bewerben. Einmal weiter gedacht, auf gut schwäbisch gesagt: Sollte sich wirklich jemand finden, der aus reinem Protest auch noch gewählt werden sollte, dann ist das eine arme Sau. Es mag sicher Leute geben, die damit klarkommen und die Situation beherrschen würden. Doch damit sind wir wieder bei der Frage: Was will ein junger, gesunder Mensch in Bad Waldsee?



