Wenn ich einmal groß bin, dann will ich…

20. Dezember 2011 by grasdackel

… Bürgermeister werden!

Und zwar in Bad Waldsee. Dort scheint man einen zu suchen. Oder auch nicht, oder nicht so ganz, auf jeden Fall ist mal nicht ganz Bad Waldsee auf der Suche. So richtig schlau wird man aus dem Geschreibsel nicht, zumindest ich nicht.

Ein wenig mehr Licht ins Dunkel bringt dann der Text von vor gut einer Woche. Man sucht zwar immer noch, aber die nebulösen Andeutungen lassen nun nicht mehr auf außerirdische Aktivitäten schließen. Oder ein plötzliches Erscheinen der Illuminaten. Auch kein Auftauchen einer Sekte, die halb Waldsee mit Erdstrahlen verseucht hat.

Mein erster Gedanke war: Juchtenkäfer. Da weiß zwar kein Mensch so wirklich was das ist, aber immerhin hat dieses Etwas für einen Baustop bei Stuttgart 21 gesorgt. Gut, Karl der Käfer hat jetzt nichts mit dem Bürgermeister zu tun, aber man kommt nicht umhin, an ihn zu denken. Wenn man die Worte BUND, GAL und Störche in einen Mixer wirft, dann kommt auch etwas dabei raus.

Dieses Etwas ist dann aber ein Mensch, der einige persönliche Befindlichkeiten gegenüber dem Amtsinhaber und wohl einzigem Kandidaten bei der Wahl hat. Vielleicht ist dieser auch nicht so gut auf den Storch zu sprechen, aber bei den Spielchen mitmachen? Vielleicht ist doch ein Funken Wahrheit dran, dass Durchsetzungsvermögen und Souveränität nicht besondere Stärken des besagten Amtsinhabers sind. Im Gegenzug kann man sich natürlich auch die Frage stellen, warum eine kleine Bewegung – mit Verlaub, ich schätze einfach mal, es wird kaum mehr als eine Handvoll Leute sein – doch recht hochgespielt wird. Immerhin wird fleißig darüber berichtet, dass man und wie man in Waldsee einen Kandidaten sucht.

Demokratie in allen Ehren, die letzten Wahlen und Abstimmungen zeichneten doch ein recht klares Bild, dass die absolute Mehrheit bald bei den Nichtwählern liegt. Meint: Den Menschen ist es bald doch völlig egal, wer da an der “Macht” ist. Ändern wird sich sowieso nichts, also kann man Demokratie doch gleich bleiben lassen.

Also bleiben noch ein paar, die sich wenigstens noch die Mühe machen und zur Wahl gehen. Doch ob das nun die großen Veränderer sind? Gerade in Oberschwaben wage ich das zu bezweifeln. Man setzt doch lieber auf Bewährtes und will keine Experimente eingehen. Welche Chance hätte also ein wie auch immer gefärbter Kandidat?

Ich hab mir aus Spass den Gedanken gemacht und mir vorgestellt, ich wäre nun plötzlich groß und würde kandidieren. Dabei könnte ich mir gut vorstellen, Waldsee hätte einen mords Spass mit mir. Und ich mit Waldsee. Auch mit den ganzen Fraktionen, egal wie bunt sie sind. Ich bin überparteilich, unabhängig, manchmal stur wie ein Esel und wenn ich was will, dann erreiche ich das auch. Dabei gehe ich nicht über Leichen, aber ich gehe meinen Weg.

Also habe ich ein wenig recherchiert und bin auf ein unlösbares Problem gestoßen. Um es in einer Frage zu formulieren: Was will ein junger, gesunder Mensch in Bad Waldsee?

Nur eins: Das trügerische Idyll nicht stören, also nicht dort sein. Drum soll auch alles so bleiben, wie es ist. Und so findet sich auch kein neuer Bürgermeister. Beziehungsweise: Das Problem wird erst akut, wenn der alte nicht mehr kann oder darf oder will.

Konkret: Was will denn einer dort bewegen, was will er da erreichen? Es gibt die Therme mit ihren Kur- und Rehakliniken, ein wenig Tourismus, wobei man sich damit brüstet, der Bodensee ist nur 40 km weit weg, die fast schon für solche Städte in der Region typische Industrie und eine mehr als katastrophale Verkehrsanbindung. Ein bisschen Kultur, ein paar Vereine und einen Golfclub. Der Club ist erwähnenswert, da der Jugendwart mit geschätzten Anfang 50 der Berufsjugendliche der Truppe ist.

Man hat also die komplette alteingesessene oberschwäbische Bräsigkeit auf einem Haufen. Dazu kommt noch ein 1. Beigeordneter, der sich gibt, als wäre er das Schwungrad der Erde und die Lösung für alle Probleme nach dem Atomausstieg in der Hinterhand hat. Neben dieser Phalanx keimt so langsam der Öko-Fanatismus auf. Da wird dann schon über Windräder gestritten, obwohl noch kein einziger Propeller in der Landschaft steht. Dann regt man sich noch über die wenig ökologische Bauweise des Denkmals des Bürgermeisters auf. Ha ja, gemeint ist natürlich das Feuerwehrhaus. Leute, hört mal, das ist voll normal. Während die jungen Wilden ihre Golfs pimpen um Eindruck zu schinden, spielt die Generation 60+ Golf und ein Bürgermeister baut ein Feuerwehrhaus. Basta.

Die cleveren Amtsinhaber finden irgendeinen Trottel, der das finanziert. Die weniger Cleveren stellen den Haushalt auf den Kopf. Beide haben aber eines gemein: Bei Thema Feuerwehr versteht man keinen Spass. Bevor auch nur ein Euro in so Quatsch wie Solar investiert wird, lieber noch eine größere Drehleiter oder einen 5er BMW für den Kommandanten.

Und nun soll ein Fremder – aus den eigenen Reihen mag man ja nicht, laut “Gentlemen’s Agreement” – da einfach reingrätschen und hoffen, dass es wenigstens acht Jahre gut geht? Ha, im Leben nicht! Abgesehen von den ganzen Vorbehalten, die ein Schwabe gegen die “Reigschmeckte” hat, wäre es auch ein Kampf in den Fraktionen. Feuerwehrhaus gegen Storch. Stadtwerke – Waldsee wäre nicht die erste Stadt, die mit so etwas in Richtung Pleite marschiert – gegen Wind-Spargel. Ein beleidigter Nicht-mehr-Bürgermeister, der eine neue Aufgabe sucht und Teilzeitbeschäftigung damit findet, dem Neuen das Leben schwer zu machen.

Das sind doch mal Perspektiven. Drum werden sich Scharen um das Amt dort bewerben. Einmal weiter gedacht, auf gut schwäbisch gesagt: Sollte sich wirklich jemand finden, der aus reinem Protest auch noch gewählt werden sollte, dann ist das eine arme Sau. Es mag sicher Leute geben, die damit klarkommen und die Situation beherrschen würden. Doch damit sind wir wieder bei der Frage: Was will ein junger, gesunder Mensch in Bad Waldsee?

Glaubensfrage Zensus2011: Wahrheit oder Pflicht

23. November 2011 by elster

In Großfamilien kann man schon mal den Überblick verlieren ob der zahlreichen Schar der Enkel, Urenkel, Schwager und Schwippschwager und so mancher illegitimer Nachkommen. Auch das mit den Wahlverwandtschaften ist bisweilen nicht einfach.

Nur so erschließt sich mir, dass Mutter EU bei so vielen Kindern (den Mitgliedsstaaten) und Kindeskindern (den Landeskindern dieser Mitgliedsstaaten) auch mal nachfragen muss.

Herzlichen Glückwunsch an mich selbst! Ich bin auserwählt worden, am Zensus2011 teilzunehmen. Ich fühle mich geehrt, denn so viel staatliches Interesse wird nur 10 Prozent der in Deutschland Lebenden zuteil.

Hier zum Nachlesen, worum es geht:

https://www.zensus2011.de/

Noch einmal: Ich fühle mich geehrt, dass Vater Staat sich so sehr für mich interessiert, dass er mir sogar den Besuch eines Beauftragten des Statistischen Landesamtes ankündigt.

Als braver Befragungskandidat schaue ich natürlich vor Eintreffen des Interviewers unter obigen Links (und via Google in diversen Foren), was mich erwartet. Beim grünen Fragebogen soll ich sagen, wer alles mit mir wohnt (diese Glücklichen bekommen ebenfalls ein grünes Frageheft), welche Schul- und Berufsausbildung ich habe, was ich am Stichtag 9. Mai 2011 gearbeitet habe (auch wo, für wen, wie lang?). Des Weiteren gibt es Fragen zu meinem Familienstand und über mein religiöses Bekenntnis.

Das war’s dann mit den guten Gefühlen. Direkte Anschlussfrage: Geht’s noch?

Waren es nicht – zum Beispiel auch in Deutschland – die amtlichen Daten über das Bekenntnis, die es erst möglich machten, Teile der Bevölkerung zuverlässig auszusieben und der fabrikmäßigen Vernichtung zuzuführen? Jaja, mögen Zensus-Befürworter mir entgegenhalten, aber die Standes-, Finanz- und sonstige Ämter wissen doch längst, dass ich xxx (selbst-zensiert) bin. Richtig, wissen sie. Und auch das ist mir aus historischen Gründen so gar nicht koscher.

Nun ist es im Frageheft für den Zensus2011 zwar grundsätzlich möglich, bei Frage 8 des grünen Bogens (“Zu welcher der folgenden Religionen, Glaubensrichtungen oder Weltanschauungen bekennen Sie sich?”) zu schweigen; Frage 7 hingegen (“Welcher Religionsgesellschaft gehören Sie an?”) ist obligat. Wie scheinheilig ist das denn?

Ach so, zur Klarstellung: Dem Zensus2011 lässt sich schwer entkommen. Zwar kann bei Weigerung kein Bußgeld, sehr wohl aber ein Zwangsgeld verhängt und vollstreckt werden. Bei fortgesetztem Weigern noch ein Zwangsgeld und noch mehr Zwangsgeld – das führt zu nichts. Eine Klage hat keine aufschiebende Wirkung. Ich erwog ernsthaft, mich zum angekündigten Interview zu verstecken, mich “verstorben” zu erklären oder einen Freund an meiner Stelle das Interview führen zu lassen. Verlockend auch die Idee, zum Interview betrunken zu sein oder so zu tun als hätte ich das Tourette-Syndrom. Doch brächte mir das die erhoffte Ruhe? Schließlich macht der Interviewer nur seine Arbeit…

Als der Interviewer zum angekündigten Termin bei mir erscheint, sind wir schnell miteinander fertig: Ich lasse mir vor der Haustür den Fragebogen aushändigen und wünsche ihm einen schönen Feierabend. Ich begebe mich ins Netz zu www.zensus2011.de, gebe dort Fragebogen-Nummer und Aktivierungscode ein und lege los:

Ich mache mich zunächst mal etwas älter, als ich in Wirklichkeit bin (Frage 5). Kann ja mal vorkommen, dass man sich vertippt. Ich bin staatenlos (Frage 6). Glauben tu ich nix (Frage 8), dazu gehören nirgends (Frage 7). Mein gleichgeschlechtlicher Lebenspartner ist leider verstorben (Frage 9), also wohne ich allein (Fragen 10 und 11). Schulbildung hab ich keine (Frage 26). Berufsausbildung hab ich keine (Frage 28). Arbeiten tu ich nicht (Fragen 30 bis 32), tat ich auch nicht in der Woche vom 9. bis 15 Mai 2011 (Frage 33), will auch nicht, nie wieder (Frage 40). Auf diese Weise ist nach wenigen “Nein”-Klicks in kürzester Zeit alles überstanden.

So gefällt mir das. Die Daten haben nichts mit mir zu tun. Sollen die Statistiker daraus gern irgendwas hochrechnen. Wenn man so will, habe ich die Varianz des Zensus2011 leicht variiert.

Der Witz an der Sache ist: Eigentlich mache ich gern bei Umfragen mit. Die freundliche Telefonistin aus Allensbach hat mich schon alles mögliche gefragt – und die Wahrheit erfahren. Was mich stört, ist die Gesetzliche Verpflichtung, mitmachen zu müssen und das Fehlen des Feldes “keine Angabe” bei Dingen, die meiner Meinung nach niemanden etwas angehen.

Da Vater Staat in diesem Falle entschieden hat, wie Big Brother aufzutreten (btw. – wenn mein Vater gleichzeitig mein Bruder ist, ist das nicht Inzest?), heißt das Spiel “Wahrheit oder Pflicht”.

Schade. Denn eigentlich mag ich Umfragen. Freiwillig hätte ich mitgespielt. Ganz ehrlich. Ungelogen.

Gelebte Ökologie

07. August 2011 by grasdackel

Deutschland, einig Pfandland. Ein tolle Sache, was man sich vor ein paar Jahren mit dem Dosenpfand ausgedacht hat.

Idealistisch und gut, wie die Grünen halt so sind, drückte man entgegen jeder Vernunft eine völlig kranke Regulierung des Pfandsystems durch. Die absurden Ausgeburten sieht man darin, dass beispielsweise manche Getränke, also irgendwelche Säfte ohne zugesetzte Kohlensäure, nicht pfandpflichtig sind, der selbe Saft in Form eines Erfrischungsgetränks aber schon.

Das mag man ja noch dem allgemeinen politisch Irrsinn zuschieben können. Die ursprünglichen Ideale – die Industrie zum Umdenken zu bewegen und weg vom Einweg, hin zu Mehrweg – gingen so ziemlich in die Hose. Die Supermärkte sind überschwemmt von Plastikflaschen und Blechdosen, wie man es vor ein paar Jahren noch nicht gesehen hat. Und das Thema Mehrweg bei Plastikflaschen ist auch schnell erledigt – die Dinger werden mittlerweile sogar schon vor Ort geschreddert.

Ein kleines Ziel ist allerdings erreicht: Derlei Getränkeverpackungen findet man immer seltener in der freien Natur. Da liegt aber nun nicht daran, dass die Menschen auf einmal vernünftiger geworden sind, sondern eher daran, dass mit dem Sammeln von Pfandflaschen ein lukratives Geschäftsmodell für die Menschen am Rand der Gesellschaft entstanden ist. Für manchen Hartz-IV-Geplagten ist es ein netter steuerfreier Zuverdienst, der meist auch nicht auf den Regelbezug angerecht wird. Zumindest, wenn niemand das mitbekommt.

Parallel dazu rüsten sich die Supermärkte mit dysfunktionalen Pfandautomaten aus, die der Menge an Pfandrückläufern Herr werden sollen. Und genau hier beginnt das Ärgernis. Immer zu den Zeiten, an denen die arbeitende Bevölkerung in die Märkte strömt, treffen sich auch alle Pfandsammler und Rentner, um die Pfandautomaten auf Herz und Nieren zu testen. In der Praxis sieht das dann so aus: An Automat eins steht ein Trottel mit zwei Säcken Plastikflaschen. An Automat zwei dasselbe. Automat drei wieder das gleiche Bild, nur gibt dieser seltsame Geräusche von sich und wenig später quäkt aus der Sprechanlage: “Nummer 29 zum Pfand, Nummer 29 zum Pfand”.

In zweiter Reihe die Familien mit quengelnden Kinder und hochroten Köpfen, dahinter gesellen sich dann die Horden von Rentnern, die offensichtlich ihrer Sammelleidenschaft erlegen waren und monatelang ihre Flaschen gehortet haben, um sie genau jetzt in den Automaten schieben zu wollen.

Im Ergebnis stehen sich gefühlt 100 Leute die Füsse platt und die Rückgabe einer Handvoll Pfandflaschen wird zum Großprojekt. Zu jeder Tages- oder Nachtzeit.

Dank Europa kann man sich aber nun ein Stück Lebensqualität wieder zurückholen. Ökologisch purer Schwachsinn, aber es rechnet sich. Ich habe nun eine Vorliebe für französisches Mineralwasser. Das kann man Deutschland zwar auch kaufen, aber liegt es dann nicht näher, französisches Wasser auch in Frankreich zu kaufen?

Ja. Der kleine Haken an der Sache ist aber, dass Frankreich nun – zumindest mal von dem Ort, an dem ich mich hin und wieder aufhalte – nicht gerade um die Ecke ist. Rund 200 km sind es zum nächsten französischen Supermarkt.

Aber es macht Sinn: In Frankreich hat man den Luxus, dass es so etwas wie Pfand nicht gibt. Dazu kommt, dass besagtes Wasser um gut die Hälfte günstiger ist. Dazu die Hochrechnung: 40 Sechserpacks passen ins Auto. Im Schnitt spart man pro Pack 2,50 EUR. In der Summe also 100 EUR. Dem stehen rund 50 EUR Sprit entgegen, also schon mal 50 EUR gespart.

Was ist mit der Zeit? Nun gut, fünf Stunden sitzt man im Auto. Allerdings kann man die Aktion auch mit einem netten Ausflug verbinden, Bekannt besuchen und sonst noch Kram mitnehmen, den es in Deutschland so nicht zu kaufen gibt.

Der wahre Luxus ist allerdings: Man spart sich das Chaos am Pfandautomaten. Bis man 240 Flaschen in den Automaten gedrückt hat, dürften auch so rund fünf Stunden Lebenszeit ex gegangen sein. Da sitze ich doch lieber im Auto und werfe die Flaschen nach Gebrauch einfach weg.

 

Deutschland schafft sich ab

23. Juli 2011 by grasdackel

Diesmal aber nicht im Sinne eines Sarrazin, der mit irgendwelchen krudenThesen die genetische Überlegenheit der arischen Rasse zu belegen versucht. Dazu reicht ein Bus voller Trottel.

In diesem Fall eine illustre Mischung aus Hysterikern, dressierten Halbaffen und Praktikanten.

Hypsch aufbereitet findet man das hier: Schießkugelschreiber.

Der Praktikant gibt alles und bläst eine an sich profane Geschichte zum epochalen Ereignis nach den Anschlägen vom 11. September auf. Erst einmal sachlich völlig daneben. Bei dem abgebildeten Gegenstand handelt es sich beim besten Willen nicht um einen sog. “Schießkugelschreiber”, sondern um einen recht trivialen “Signalstift”. Dies ist eine recht handliche Vorrichtung zum Abschießen von meist rotem Signalfeuerwerk. Es ist jedoch kein spassiges Spielzeug für Sylvester oder ähnliche Anlässe, sondern ein Notsignal für Bootfahrer und Bergsteiger, die damit im Falle eines Falles damit wenigstens den Versuch unternehmen können, auf sich aufmerksam zu machen und Hilfe zu holen.

Am wenigsten kann man dem Zoll einen Vorwurf machen. Die werden so ausgebildet, dass der eigene Verstand abzuschalten ist und wie dressierte Halbaffen strikt handeln müssen. Viel schwerer wiegt das Totalversagen der hysterischen Politikerkaste, die in der nächsten Runde wahrscheinlich auch noch darüber nachdenkt, Streichhölzer zu verbieten, damit mal wieder was verboten ist.

Der Rentner an sich tut mir schon wieder leid. Er hat wohl versäumt, den deutschen Verbotskatalog zu studieren. Das hätte er mal tun sollen, denn so hätte er gelernt, dass man in Konstanz selbst mit Glasflaschen aufpassen muss, ein Küchenmesser unter Umständen ein verbotener Gegenstand sein kann und so ziemlich alle pyrotechnischen Gegenstände – außer Streichhölzern – verboten sind.

Weiter so, Deutschland.

70 Cent für meine Daten

09. Juli 2011 by elster

Platt vorweg (Vorsicht: Fäkalsprache, Dirty Talk, Kaka-Bla):

Wenn Ihr klug scheißen wollt, kackt nicht bei Sanifair!

Das ist mein persönlicher Boykott-Aufruf nach mehrtägiger Reise im zivilisierten Ausland, wo die Sanitäranlagen auf Raststätten interessanterweise gepflegt und trotzdem kostenfrei sind. Die Grande Nation beweist auf ihren Autobahn-Klos mautfinanzierte Großherzigkeit und nervt nicht mit einem schäbigen Wertbon-System wie beispielsweise “Sanifair” es tut.

Hier noch mal für alle das deutsche System: Toilettenbesuch kostet 70 Cent, dafür gibt’s einen Wertbon über 50 Cent. Weil es am Drehkreuz um dringende Geschäfte geht, wird so mancher Scheiß-Bon vergessen. Es soll Leute geben, die in der Nähe vom Drehkreuz lauern, um vergessene Bons abzuziehen. Das ist zwar würdelos – doch schon ein einziger Omi-Bus kann 5 Kaffee bringen.

Das also hat Sanifair aus uns gemacht. Zivilisation ist halt doch nur dünner Lack.

Dabei ist es gar nicht angemessen, dass Sanifair überhaupt Geld für meine Hintern-Lassenschaften verlangt. Das versuchte ich noch vor ein paar Stunden meinem mit mir dienstreisenden Kollegen zu erklären: “Wieso wollen DIE Geld? Die kriegen doch was von mir!”

Fingerabdrücke, DNA, Stuhl- und Urinprobe. Sogar Blutwerte, wenn sie es wirklich ernst meinen und alles gerichtsmedizinich analysieren, was Mensch so auf dem Klo zurücklässt.

Bei intelligenter Verknüpfung wird aus diesen Werten, zusammen mit bereits vorhandenen Payback-, Deutschlandcard-, Schufa-, Telefon- und Melderegister-Daten vollkommen gläsern, was ich gegessen, wo es gekauft, wie es bezahlt und wie hoch mich dafür verschuldet habe.

Da es sich doch nicht immer vermeiden lässt, ein Sanifair zu benutzen, sollte man sein Möglichstes tun, die dort zwangsläufig zurückgelassenen Beweismittel zu verfälschen.

- Fingerspitzen vor dem Toilettengang in heißes Wachs tauchen. Macht aua, ist aber immer noch besser als die Haut abziehen.

- Nur mit einer Burqa bekleidet die Raststätte betreten.

- Eine Stunde vor Toilettenbesuch einen Liter Diesel trinken.

- Drei Wochen vor dem geplanten Gang aufs Sanifair nur noch Pappkartons essen.

Tut das alles, und Ihr habt euch 5 überwachungsfreie Käffchen vom Omi-Bus verdient. Wohl bekomm’s!

 

PS: Noch ein Indiz, das Sanifair nicht fair, sondern Beschiss ist, findet Ihr auf der Unterseite jedes Bons. Dort ist das Datum aufgedruckt. Nach einem Jahr verfällt der Bon. Danach taugt er nicht mal mehr zum Arschputzen im kostenfreien (meist auch klopapierfreien) zugigen Rastplatz-Häuschen, da zu klein.

Wieder was los..

08. Juli 2011 by grasdackel

Der “Spiegel” mutiert so langsam aber sicher zur linkslastigen Kampfpostille.

Zumindest kann man den Eindruck gewinnen, wenn man Artikel dieses Kalibers liest: “Tödliche Testfahrt mit 571 PS“.

Nach einigem Blabla und wirren Sätzen des Autors gewinnt man irgendwann die Erkenntnis, dass der junge Mann, der bei dem Unfall ums Leben kam, zwar mit einem 571 PS Boliden unterwegs war, aber eben nur mit 65 km/h auf einer Teststrecke. Der Unfall ereignete sich dann dadurch, dass ein anderer Wagen von hinten mit ordentlicher Geschwindigkeit daher kam und den 571 PS Boliden von der Strecke geschossen hat.

Ich stelle mir eher die Frage, ob ein akuter Migräneschub den Ausschlag für die Überschrift gegeben hat oder der Autor zu den Gesinnungsgenossen gehört, die aus Prinzip Stimmung gegen die Existenz solcher Auto machen und so mit der Überschrift mal richtig Dampf ablassen konnte.

Nun – lustig in die ersten wirren Zeilen reininterpretiert: Migräne scheidet aus. Ein Ketzer würde jetzt sagen, mit einem Krankenfahrstuhl mit 5,71 PS hätte der Unfall so auch passieren können. Nur würde mich dann mal die Überschrift interessieren.

Viel krasser ist aber die Bande von Fachwurstverkäufern, die ihren Senf dann noch im Forum absondern und richtig deutsch natürlich alles besser wissen. Gut die Hälfte war bei dem Unfall mit dabei, ein weiteres Viertel ist der festen Überzeugung, mit Autos ohne so viel Leistung passiert nichts mehr und der traurige Rest will am liebsten wieder in Höhlen wohnen, weil so ziemlich alle Errungenschaften der Neuzeit schädlich sind. Entweder für die Umwelt, die Gesundheit oder das Kapital.

Schon spannend, irgendwie…

Das bewegt die Welt..

12. Juni 2011 by grasdackel

Irgendeine Hacker-Gruppe hat die Homepage der spanischen Polizei in die Knie gebracht. Hier.

Das geistert gerade durch die Medien, als wäre eine zweite Sonne aufgegangen. Ich frag mich ein wenig, worin den jetzt genau der Informationsverlust liegt, wenn besagte Homepage mal ein paar Stunden nicht tut.

Tragisch wäre das kurz vor dem Heckenfest der Krumbacher Blaskapelle, wenn niemand weiß, wo die Festhalle eigentlich liegt, die Anfahrtsbeschreibung aber genau auf der Homepage ist..

Totalverbot

10. Juni 2011 by grasdackel

Was ist denn jetzt bloß los? Menschen sterben reihenweise und die grün-roten Marktschreier halten sich auf ganzer Linie zurück. Normalerweise müsste spätestens jetzt eine Debatte über eine neue Welle von Verboten an den Start gebracht werden. Aber sofort.

Man möge mir meinen Sarkasmus verzeihen.

Lörrach

Ausgerechnet in der Amok-Stadt Lörrach ist wieder mal was passiert. Der Blätterwald versucht krampfhaft einen Bezug zum Amoklauf mit einer Schusswaffe herzustellen und somit die Hysterie gegen Sportschützen und andere legalen Waffenbesitzer wieder auf Trapp zu bringen, scheitert aber auf ganzer Linie, denn dummerweise war das nur eine “Familientragödie” mit drei Toten und einem Verletzten, und zwar ganz ohne Einsatz von Waffen. Genauer gesagt Dingen, die landläufig als Waffen bezeichnet werden.
Einfach zusammen gefasst: Irgendjemand hat im familiären Umfeld ein paar Menschen schlicht und einfach erschlagen. Details.

Lindau

Diesmal kein Amoklauf, aber der Einsatz einer Schusswaffe. Vor ein paar Tagen ballert einer auf dem Balkon rum, trifft seine Freundin und richtet sich dann selbst. Hier mehr oder weniger dazu.

Zwanghaft wird erst einmal nach der Herkunft der Waffe geforscht und wenig später stellt man dummerweise auch wieder fest, dass hier kein Sportschütze oder legaler Waffenbesitzer am Werk war. “Die Herkunft der Waffe ist ungeklärt” und schon verschwindet die Meldung wieder aus allen Medien. Keine Sau gefunden, die man durchs Dorf trieben kann.

Jetzt aber raus aus den grün-roten Pantoffeln und Aktionsbündnisse gründen, wie auch Bundesratsinitiativen starten, für das Verbot von illegalen Waffen und stumpfen Gegenständen!

 

 

Raus aus dem Internet

07. Juni 2011 by grasdackel

Bei den einschlägigen Nachrichtenverbreitern liest man hin und wieder, wie die öffentlich rechtlichen Medienanstalten sich ungefragt im Internet breit machen, ohne auch nur einen Funken dafür geleistet zu haben. Meint: Das Internet ist irgendwann mal erfunden worden, hat sich dann im Lauf der Jahre verbreitet und die ganze Infrastruktur ist größtenteils privatwirtschaftlich aufgebaut worden.

Eines schönen Tages saßen sich dann die Frühstücksdirektoren in diffusen Gremien ihre Ärsche platt und hatten die Idee, bei dem Ding mit dem Namen “Internet” auch mitspielen zu wollen. Alles ganz toll und super. Zumindest so überzeugend, dass die föderalistischen Tanzbären das Vorhaben abgenickt haben, ja sogar noch schlimmer, irgendwann kam die Frage auf, wer den ganzen Schwachsinn bezahlen soll und so wurde bei einer großen Runde Bullshit-Bingo beschlossen, dass ein Computer nun ein “neuartiges Rundfunkempfangsgerät” sei und eine Gebührenpflicht auslöst.

Eigentlich ein wunderbarer Beleg dafür, dass es kollektive Intelligenz nicht gibt, sondern dass das Kollektiv mit zunehmender Masse exponentiell dümmer wird. Anders ist es nicht erklärbar, warum solche Entscheidungen nahezu völlig widerspruchslos geschluckt werden.

Es ist nun, wie es ist und jetzt war ich mal so dreist und wollte eines von diesen sagenhaften Online-Angeboten nutzen. Die Welt könnte so schön sein, wenn der Apparat nun nicht mit unglaublichen Geschwüren und deren bösartigen Metastasen übersät wäre. Die tauchen meist unvermittelt auf und setzen sich fest. Meist sind es berufsbetroffene Weltverbesserer, die dann die Projekte von innen heraus torpedieren. In diesem Fall waren es die Jugendschützer.

Was war passiert? Mir war fad und an einem verregneten Sonntagnachmittag hatte ich die Idee, man könnte ja mal einen “Tatort” anschauen. Die Mediathek – wie es so schön heißt – war schnell gefunden und dann passierte das:

Liest man den Text in einer Linie, dann passt das sogar: Ausgelöscht in voller Länge. Im Fachjargon nennt sich das “Sendezeitbegrenzung für das Internet” und spiegelt ungefähr wider, wie begrenzt die Sendezeit in den Köpfen der Entscheider ist.

Eine fatale Mischung aus technischem Unverständnis und sozialem Totalversagen führt wohl zu solchen Vorschriften. Technisch gesehen findet das Internet global statt. Auch wenn man es gerne anders hätte, die Datenleitungen enden nicht abrupt an den Stadtgrenzen von Berlin, sondern gehen einmal um die Welt. Wenn man das einmal begriffen hat, ist man schon einen Schritt weiter.

Interessanterweise gibt es auch eine staatlich verordnete Realitätsausblendung für unter 12-Jährige in der Zeit von 6 – 20 Uhr. Auch in dieser Zeit findet echtes Leben statt. Und jetzt soll mir einer mal erklären, dass Millionen von 11-Jährigen mittags um drei ein bierseeliges Interesse an so altbackenen Sendungen wie dem “Tatort” haben und bei Betrachtung solcher Sendungen in ihrem Kindeswohl gefährdet sind. Das Totalversagen manifestiert sich dann darin: Punkt eins, das mit der Technik, wurde nicht verstanden. Dann schließt man von den Lehrbüchern auf das Leben, wie es sein sollte. Dabei übersieht man den Umstand, dass 11-Jährige – je nach Stand der Pubertät – technisch durchaus in der Lage sind, sich im p0rn-Dschungel dieser Welt zurechtzufinden. Und wenn sie dann noch zwei, drei Jahre älter sind, dann sowieso. Ohne weltfremde Jugendschützer oder besorgte Eltern.

Das Dramatische ist allerdings, die berufsbetroffenen Gutmenschen bauen sich eine heile Welt und glauben fest dran, dass mit dem System “Ausblenden statt Aufklärung” alle Probleme gelöst haben. Und die Generation, die sie mit diesem Weltbild heran züchten, tut mir dann irgendwann mal leid, wenn sie sich ins echte Leben verirren sollten.

Raus aus dem Netz, ihr Pappnasen!

BMW K 1300 S

05. Juni 2011 by grasdackel

Ein schönes Gerät, drum heute mal mit Bild. Ich muss allerdings gleich zugeben, das Foto hab ich von BMW geklaut. Es regnet mittlerweile und ich zu faul um in den Hof zu gehen, um selbst ein Foto zu machen. Falls sich also ein Offizieller von BMW hierher verirren sollte oder ein windiger Advokat meint etwas Kohle abziehen zu können, gleich die Ansage: Wenn es stört, dann nehme ich wieder raus und ersetze es durch eine weniger repräsentative Darstellung. Wenn das dann besser ist..

Wie auch immer, jetzt hatte ich die Möglichkeit, das Gerät ein paar Tage zu fahren. Abgesehen von ein paar philosophischen Aspekten, mein kurzes Fazit: Ich bin begeistert.

Ein paar technische Details: 1.293 ccm Hubraum, 175 PS, 140 Nm, 254 kg Kampfgewicht und allerlei elektronische Spielereien wie ABS, ASC, ESA, Bordcomputer und Reifendruckanzeige.

Aber erst die Philosophie: Braucht man wirklich 175 PS in einem Motorrad? Der gesunde Menschenverstand sollte hier mit einem klaren Nein antworten. Im Grunde hat die Leistungsklasse nichts mehr auf öffentlichen Straßen verloren. Leider ist im ganzen Wettrüsten die Vernunft auf der Strecke geblieben und am Ende steht man da mit kolbengetriebenen Marschflugkörpern, mit denen man sich und andere im Handumdrehen auslöschen kann. Es muss wohl in der Natur des Menschen liegen, dass stets im Wettbewerb gehandelt wird und in der Konsequenz obsiegt die Unvernunft.

Mit einem Blick auf die gesamte Entwicklung der Fortbewegung mit Betrachtung der soziologischen Effekte, stellt man fest, dass die Motorradfahrer über Jahre hinweg eher ruhige und beseelte Zeitgenossen waren. Klar, ein paar Ausreißer gab es und gibt es immer, doch schätze ich, dass sich die Mehrzahl damit begnügte, einigermaßen gemütlich von A nach B zu kommen. Letztendlich ist der Weg das Ziel.

Mit steigender Verkehrsdichte und damit gekoppelten Aggressionen ist die Entwicklung im Motorradbereich eine logische Folge. Den Ball spiele ich zu den automobilen Zeitgenossen. Heute wird selbst jede Seifenkiste mit hochgezüchteten Motoren ausgestattet, die Fahrleistungen freisetzen, die vor wenigen Jahrzehnten nicht einmal in der Klasse der Sportwagen zu finden waren. Irgendwie klar, dass man heute mit einer 76er XT500 und ihren doch ehrlichen 33 PS nicht mehr mitspielen kann und auf ziemlich verlorenem Posten steht. Ich denke dabei immer wieder an den Klassiker, der wahrscheinlich schon jedem Töfffahrer auf die eine oder andere Art widerfahren ist: Der typische Opa mit Wackeldackel und Klopapier auf der Heckablage schleicht mit halber Lichtgeschwindigkeit auf der Landstraße umher. So knapp 70 Sachen. Das ist selbst für die XT schon arg langsam und wenn sich die Gelegenheit bietet, überholt man. Beim Überholvorgang wird der Opa dann aber vom sportlichen Ehrgeiz übermannt und er entdeckt, dass man das Pedal auf der rechten Seite auch mal ganz durchdrücken kann. Beim 200er Diesel Modellreihe /8 ist dieser Vorgang nun weniger tragisch. Der flutartige einströmende Diesel wird zunächst direkt in Ruß umgewandelt, bevor langsam, aber dafür nachhaltig, der Vortrieb einsetzt. Selbst mit der XT sah man aber nur eine kleiner werdende Blechdose, verfolgt von einer schwarzen Wolke.

Heute sitzt der Opa im 200er Diesel Modelljahr 2011 und technisch ist da einiges passiert. Klarerweise beherrschen die heutigen Fahrzeuge auch noch die halbe Lichtgeschwindigkeit, jedoch wurde der Prozess der Umwandlung von Diesel in Ruß quasi wegoptimiert und die Beschleunigung setzt beim Durchdrücken des Pedals recht schlagartig ein. Das auch noch mit einer Vehemenz, gegen die die XT ganz alt aussieht. Solche Spinnereien führen dann nicht selten zu – eigentlich vermeidbaren, aber – recht gefährlichen Situationen. Auf dem Töff hat man dann nur die Wahl: Entweder man eiert dem Opa hinterher und verzichtet auf derlei Spielchen oder man hat noch eine kleine Leistungsreserve, die man in dem Fall aktivieren kann.

In diesem Fall ist die K 1300 über jeden Zweifel erhaben und selbst der mit Testosteron angereicherte Jungspund in seiner tiefgelegten Kasperbude mit Breitreifen zieht nachhaltig den Kürzeren. Leider ist das Spektakel nun weniger klassisch, aber dafür irgendwie in Mode. Nicht wenige junge Leute oder auch die Handelsreisenden in ihren Passats sind gefühlsmäßig mehr und mehr auf Krawall aus und wollen einfach so mal provozieren. Sicher hat man die Option rechts ran zu fahren oder sich den nächsten Parkplatz zu suchen um dieser Konfrontation aus dem Weg zu gehen, jedoch will ich bei einer Tour auch mal fahren und nicht ständig auf Parkplätzen herumlungern, nur weil ein paar viele Trottel meinen, sie müssten ihren Alltagsfrust an den Zweiradfahrern auslassen.

In einen Satz verpackt: Mit ein wenig Verstand eingesetzt sind 175 PS ausreichend um solche Spielchen souverän mit einem Schritt nach vorne zu beenden. Man muss nicht volle Latte ans Limit, es ist schön, wenn man Reserven hat.

Und so fährt sich die K als Gesamteindruck: Souverän. Die ersten paar Meter hatte ich das Gefühl mit einem Schienenfahrzeug unterwegs zu sein. Das Fahrwerk ist durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Weder im langsamen Rollen, noch bei etwas beschleunigter Gangart. Selbst der Charakter des Motors spielt dabei perfekt mit. Während bei einer Ducati innerorts eher Presslufthammer angesagt ist, brummt man mit der 1300er gemütlich im unteren Drehzahlbereich rüttelfrei herum und kann entspannen. Ist die Strecke dann mal frei, gibt es bei der Duc eher den beeindruckenden Pferdetritt, während die K eher anschiebt. Das dann aber nachhaltig und recht forsch.

Man kann es aber auch völlig ohne Schmerzen weiterhin ganz sanft angehen. Es ist nicht das Biest, das gezähmt werden muss, eher die treue Seele, die einem in fast allen Lebenslagen an der Seite steht, aber wenn es gewünscht wird, auch zum Biest werden kann.

Gut ins Bild passen auch die elektronischen Helferlein. Das per Knopfdruck einstellbare Fahrwerk (ESA) mag gerne belächelt werden, ich halte es für recht praktisch. Gerade wenn man abwechselnd viel alleine, mit Gepäck oder Beifahrer unterwegs ist, spart man sich den Griff in die Werkzeugkiste oder das ewige Drehen an den Stellrädern, bei denen man meist eh vergessen hatte, wie sie denn eingestellt waren. Auch das Ändern des Vorzugs während der Fahrt hat einen Mehrwert. Die jungen Leute mögen einen jetzt belächeln, aber jeder wird irgendwie älter und das eine oder andere Zipperlein kommt auf. So bin ich dann immer sehr entspannt, wenn die Qualität der Straße eher in Richtung Buckelpiste geht und der Rücken im Comfort-Modus doch etwas mehr entlastet wird. Bei guter Straße und schönen Kurven hat man im Sport-Modus dann wieder ein angenehm straffes Fahrwerk, mit dem man dann die eine oder andere Kehre flotter angehen kann. Und alles per Knopfdruck.

Für mich ist ASC (Stabilitätskontrolle) in der Leistungsklasse ein must-have. Klar, die Grenzen der Fahrphysik gelten nach wie vor, jedoch wollen die 140 Nm auch beherrscht werden. Kleine Schnitzer können schon mal böse ins Auge gehen. Während bei einem 280kg-Chopper mit 50 PS man auch in Schräglage mal das Gas voll aufziehen kann und im schlimmsten Fall die Trittbretter dann aufsetzen, ist bei so einem Gerät die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass Grenzen der Physik überschritten werden und man dann im Graben landet. Und da ist die ASC dann ihr Geld mehr als wert. Mich hat es jetzt schon zweimal erwischt, wo die ASC schneller reagiert hat als ich. Einmal lag Schotter in einer Kurve und das Hinterrad ging kurz weg, das andere Mal hatte ich beim Beschleunigen aus einer Kurve den Belag falsch eingeschätzt. Es ist jetzt Spekulation, was ohne ASC passiert wäre, jedoch gibt es ein wenig mehr Sicherheit und kleine Patzer enden nicht zwingend fatal. Wie anfangs erwähnt, die Leistung muss auch irgendwie beherrschbar gemacht werden.

Ähnlich ist es mit den Bremsen. Anfangs war ich von den Integralsystemen überhaupt nicht begeistert. ABS an sich halte ich für eine gute Sache und es setzt sich auch mehr und mehr durch. Ich selbst hatte schon Mitte der 90er an meiner 1100er ABS dabei und empfand es als angenehm. Sicher, es war damals technisch noch nicht auf dem Stand von heute, aber alleine bei den Trainings hinterließ es Eindrücke. Im Zweifel voll reinlangen, keinen Kopf mehr um blockierende Vorderräder oder ausbrechende Hinterräder. Für mich ein Gewinn an aktiver Sicherheit.

Recht bescheiden war dann der erste Wurf mit Vollintegral-ABS, als man meinte man müsse Hand- und Fußbremse auf beide Anlagen wirken lassen. Leichte Korrekturen mit der Hinterradbremse waren nur mit viel Übung möglich und insgesamt hatte ich das Gefühl, ohne das ganze Integralzeug kann ich das besser. Glücklicherweise hat sich das dann auch bis in die Entwicklungsabteilungen rumgesprochen und mit dem Teilintegral-ABS ist eine Lösung entstanden, die ich gelungen nenne. Die Bremsanlage der K  kann man insgesamt ebenfalls als souverän bezeichnen. Gut dosierbar und bissig zugleich.

Die schönste Spielerei ist aber irgendwie der Schaltassistent. Was für faule Leute, die sich den Zug der Kupplung sparen wollen. Aber eigentlich doch nicht. Wohl eher war für die, deren Leben an den Zehntelsekunden hängt und auf der Rennstrecke das Letzte rausholen wollen. Gut, für mich ist es Spielerei, aber es macht auch Spaß. Ab Tempo 50 reicht einer kleiner Hinweis an den Schalthebel und der nächst höhere Gang geht ohne Kupplung von selbst rein. Das ist am Anfang leidlich ungewohnt, denn man ist immer wieder der Versuchung erlegen, wenigstens vom Gas zu gehen. Nach ein paar Kilometern hat man das aber raus und dann ist es einfach elegant, mal das Gas aufzumachen und die Gänge hoch zu tippen.

Zum Schluss noch ein paar positive Kleinigkeiten: Angenehm lange Wartungsintervalle von 10.000 km. Ich verstehe nicht, warum Kawasaki und Co. teilweise noch bei ihren 6.000 km hängen. Der Verbrauch ist mit 5 bis 6 l/100 km (je nach Fahrweise) für die gebotene Leistung absolut im Rahmen. Für mich das absolute Killer-Kriterium: Kardan-Antrieb. Ich bin ein fauler Hund und hasse nicht mehr, als ständig an der Kette rumzuspannen oder sie in Öl zu ertränken oder gar noch irgendwelche automatischen Öler zu verbasteln. Schrauben war gestern, ich will ein Töff zum Fahren. Das schreckt mich beim Wettbewerb am meisten ab. Einigermaßen tourentaugliche Fahrzeuge sollte mit Karden oder Riemen angetrieben werden.

Fazit: Rundum ein gelungenes Paket, das richtig Spaß macht und zum souveränen Touren einlädt. Selbst die sportlich angehauchte Sitzposition verleidet einem nicht die Freude am Fahren. Auch nach ein paar Stunden sitzt man immer noch bequem, was man bei anderen Supersportler nicht unbedingt sagen kann.

Eine Kaufempfehlung für jeden, der einen tourentauglichen Sportler sucht.